Ar­Ge muss Kos­ten für den Um­gang zwi­schen Va­ter und Kind über­neh­men

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Thü­rin­gen hat­te im We­ge des Einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes über die Strei­tig­keit zwi­schen ei­ner Ar­Ge und dem Va­ter ei­nes Kin­des zu ent­schei­den, der Fahrt­kos­te­n und Über­nach­tungs­kos­ten gel­tend ge­macht hat­te, um den Um­gang mit sei­ner min­der­jäh­ri­gen Toch­ter wahr­neh­men zu kön­nen. Der Va­ter lebt in Thü­rin­gen, wes­weg­en das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Thü­rin­gen in Er­furt zur Ent­schei­dung be­ru­fen war. Die Toch­ter des Va­ters lebt bei ih­rer Mut­ter in Ös­ter­reich, wo­hin die bei­den nach der Tren­nung der El­tern ge­zo­gen sind. Der Va­ter hat in der Ver­gan­gen­heit den Kon­takt zu sei­ner Toch­ter ge­pflegt und es be­steht ei­ne en­ge Be­zie­hung zwi­schen ih­nen. Da­von hat der Va­ter das Ge­richt über­zeugt. So­wohl vor dem Amts­ge­richt Söm­mer­da als auch vor ei­nem Be­zirks­ge­richt in Ös­ter­reich hat er um das Um­gangs­recht mit sei­ner Toch­ter ge­kämpft. Der Va­ter geht ei­ner Er­werbs­tä­tig­keit nach und be­zieht da­ne­ben er­gän­zend ALG II.

Nach­dem die Ar­Ge in der Ver­gan­gen­heit dar­le­hens­wei­se Fahrt- und Über­nach­tungs­kos­ten ge­zahlt hat, mein­te sie auf­grund ei­ner Ge­set­zes­än­de­rung nicht mehr zu­stän­dig zu sein. Dem hat das Ge­richt wi­der­spro­chen und grund­sätz­lich auf Über­nah­me der Kos­ten für die Wahr­neh­mung des Um­gangsrechts er­kannt, al­ler­dings dar­le­hens­wei­se. Die Kos­ten des Um­gangs­rechts ge­hö­ren zu den per­sönl­ichen Grund­be­dürf­nis­sen des täg­li­chen Le­bens. Hier­für kön­nen über die Re­gel­sät­ze hi­naus­ge­hen­de ein­ma­li­ge oder lau­fen­de Leis­tun­gen er­bracht wer­den.

Vo­raus­set­zung ist das Vor­lie­gen ei­ner be­son­de­ren, aty­pi­schen Be­darfs­la­ge. Nach Mit­tei­lung des Ge­richts ist in der Tren­nung der El­tern und der da­mit ver­bun­de­nen be­son­de­ren Schwie­rig­keit der Auf­recht­er­hal­tung des Um­gangs der Toch­ter mit dem Va­ter ei­ne sol­che Be­darfs­la­ge er­kenn­bar. Von Be­deu­tung ist hier­bei si­cher­lich die er­heb­li­che räum­li­che Ent­fer­nung zwi­schen dem Wohn­ort des Va­ters in Nord­thü­rin­gen und dem des Kin­des in Ös­ter­reich. Des Wei­te­ren muss die Hil­fe den Ein­satz öf­fent­li­cher Mit­tel recht­fer­ti­gen, wo­von das Ge­richt aus­geht.

Dem Ge­richt ha­ben kei­ne kon­kreten An­halts­punk­te da­für vor­ge­le­gen, dass das Um­gangs­recht miss­bräuch­lich in An­spruch ge­nom­men wird. Eben­so we­nig ging das Ge­richt da­von aus, dass der Va­ter auf­grund ei­ge­ner Be­mü­hun­gen ein hö­he­res Ein­kom­men er­zie­len kann, um nicht auf So­zi­al­leis­tun­gen an­ge­wie­sen zu sein.

Es stellt sich des­halb nicht mehr die Fra­ge des "ob" der Leis­tungs­be­wil­li­gung für die Über­nah­me der Kos­ten des Um­gangs­rechts. Es stellt sich al­ler­dings schon die Fra­ge nach dem "wie" der Leis­tungs­er­brin­gung. Da Mit­tel aus der So­zi­al­hil­fe, al­so Steu­er­gel­der ver­wen­det wer­den, muss ge­nau ge­klärt wer­den, in wel­cher Hö­he ei­ne Kos­ten­über­nah­me ge­recht­fer­tigt ist.

Nach Auf­fas­sung des Ge­richts war dem Va­ter zu­min­dest zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung nicht zu­zu­mu­ten, sei­nen Wohn­sitz in die Nä­he des Kin­des zu ver­le­gen, da­mit ei­ne Be­darfs­lage ver­neint wer­den kann.

Das Ge­richt hat dem Va­ter nur Kos­ten für den ein­ma­li­gen Um­gang im Mo­nat be­wil­ligt. Mehr sei der All­ge­mein­heit der Steu­er­zah­ler nicht zu­mut­bar. Dass die El­tern ei­nen häu­fi­ge­ren Um­gang un­ter­ein­an­der ver­ein­bart ha­tten, stand dem nicht ent­ge­gen. Be­züg­lich der Über­nach­tungs­kos­ten hat das Ge­richt da­rauf hin­ge­wie­sen, dass der Va­ter we­der An­spruch auf ei­ne Lu­xus­woh­nung für sich und die Toch­ter wäh­rend des Um­gangs, noch auf ei­ne Über­nach­tungs­mö­glich­keit mit Kü­che hat. Es sei der 9-­jäh­ri­gen Toch­ter zu­zu­mu­ten, sich für die Dau­er von nicht ein­mal zwei Ta­gen am Wo­chen­en­de von Kalt­spei­sen zu er­näh­ren. Bei die­ser Über­le­gung hat das Ge­richt auf ei­nen im Er­werbs­le­ben ste­hen­den Um­gangs­be­rech­tig­ten mit ei­nem Durch­schnitts­ein­kom­men ab­ge­stellt, der sich um ei­ne kos­ten­güns­ti­ge Un­ter­kunft zur Durch­füh­rung des Um­gangs be­mü­hen wür­de, was nach­voll­zieh­bar ist.

Mit die­ser Ent­schei­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Thü­rin­gen in Er­furt dem Va­ter den Um­gang mit sei­ner Toch­ter in Ös­ter­reich zu­min­dest ein­mal im Mo­nat über ein Wo­chen­en­de in­klu­si­ve Über­nach­tung er­mög­licht. Lie­gen die Vo­raus­set­zun­gen vor, kön­nen Be­zie­her von Hartz IV Leis­tun­gen zur Wahr­neh­mung des Um­gangs er­hal­ten.

Ihr Rechtsanwalt für Familienrecht Berit Sander aus Halle Saale

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