Erbvertrag oder Testament ?

Was ist der Unterschied. Vor dieser Frage steht so mancher, der sein Vermögen rechtsgültig vererben möchte.

Gemeinsamkeiten Erbvertrag / Testament

Sowohl mit einem Testament als auch mit einem Erbvertrag kann jede Person selbst bestimmen, wer einmal sein Vermögen im Todesfall erhält. An die gesetzliche Erbfolge ist er dabei nicht (mehr) gebunden.

Erbvertrag

Ein Erbvertrag ist eine Verfügung von Todes wegen. Jeder - auch nicht miteinander verheiratete oder verwandte Personen (nichteheliche Lebensgemeinschaft, Patchworkfamilie) - können einen bindenden Erbvertrag miteinander schließen. Die Besonderheit ist hier: Ähnlich wie bei einem gemeinschaftlichen Testament kann ein Erbvertrag und die darin getroffenen Verfügungen von Todes wegen später nur mit der Zustimmung aller Vertragspartner geändert werden; nach dem Tode eines Vertragspartners überhaupt nicht mehr.

Der Erbvertrag ist ein äußerst flexibles Mittel, mit dem die Erbfolge und alles was damit zusammen hängt, an die Wünsche der Erblasser angepasst werden können. Es gibt zweiseitige und mehrseitige Erbverträge, je nachdem wie viele Vertragsparteien sich verpflichten und vertragsmäßige Verfügungen vornehmen wollen.

Erbverträge werden auch danach unterschieden, ob sie entgeltlich oder unentgeltlich sind. Von besonderer Bedeutung sind ganz aktuell die zweiseitigen Erbverträge, in denen sich der Erblasser hinsichtlich seines zukünftigen Nachlasses absichern möchte und der andere Vertragspartner dem Erblasser dafür z.B. Pflege- oder Betreuungsleistungen (Pflege und Wart) erbringen will. Ein Erbvertrag ist damit besonders bei kinderlosen Partnern ein sehr sicheres und wirkungsvolles Mittel und der spätere Erblasser ist in seiner Gestaltung völlig frei.

Ein Erbvertrag muss immer gemäß § 2276 Absatz 1 Satz 1 BGB notariell beurkundet werden; er wird jedoch (paradoxerweise) nicht bei der Hinterlegungsstelle des Amtsgerichtes hinterlegt.

Testament

Das Testament kann als Einzeltestament oder als gemeinschaftliches Testament (sog. Berliner Testament) errichtet werden. Dabei ist zu beachten, dass ein gemeinschaftliches Testament ausschließlich durch Ehegatten errichtet werden kann.

Ein Testament kann entweder notariell, aber auch handschriftlich und eigenhändig errichtet werden. Testamente mit Computer oder Schreibmaschine - auch wenn sie unterschrieben sind - sind ungültig. Auch ein Testament, das ein Blinder "handschriftlich" verfasst, ist nichtig.

Bei einem handschriftlichen Testament muss der Text des Testaments vollständig vom Testierenden eigenhändig aufgeschrieben, mit Datumsangabe versehen und unterschrieben werden. Bei der Errichtung eines gemeinschaftlichen Testaments braucht nur ein Ehegatte das gemeinschaftliche Testament handschriftlich verfassen und es muss dann von beiden Ehegatten das Testament unterschrieben werden.

Da eigenhändig errichtete Testamente oft Unklarheiten oder Fehler enthalten, ist in jedem Falle eine vorherige Beratung bei einem für Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin sinnvoll. Sie können auch danach noch entscheiden, ob Sie lieber eine notarielle Urkunde wünschen oder die handschriftliche Form (diese kann beim Nachlassgericht auch hinterlegt werden) bereits ausreichend ist.

Bei einem gemeinschaftlichen Testament sollte unbedingt beachtet werden, dass eine nachträgliche Änderung nach dem Tode eines der Ehegatten keine Änderungen vorgenommen werden können, es sei denn, das wurde so vereinbart.