Was heisst Trennung im Familienrecht?

Um sich scheiden zu lassen, muss man getrennt leben - das wissen die meisten. Wie genau das aussehen muss, möchte ich Ihnen hier kurz schildern:

Trennung

Das Gesetz "zäumt das Pferd von hinten" auf. Der letzte Paragraph in der Prüfungsreihenfolge der Scheidung ist der § 1567 BGB. Nach § 1567 BGB müssen die Ehegatten getrennt leben:

§ 1567 BGB Getrenntleben
(1) Die Ehegatten leben getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt. Die häusliche Gemeinschaft besteht auch dann nicht mehr, wenn die Ehegatten innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben.
(2) Ein Zusammenleben über kürzere Zeit, das der Versöhnung der Ehegatten dienen soll, unterbricht oder hemmt die in § 1566 bestimmten Fristen nicht.

Trennung heißt, dass zwei weitestgehend getrennte Haushalte geführt werden und auch der eheliche Intimverkehr nicht mehr stattfindet - also eine Trennung von Tisch und Bett gegeben ist. Wenn man sich innerhalb der Ehewohnung oder des "Ehehauses" trennt, muss es so sein, dass quasi jeder sein Fach im Kühlschrank hat und jeder mindestens sein Schlafzimmer. Ein bißchen so wie in einer Studenten-WG.

Die Frage nach der Trennung kann also damit beantwortet werden: Wann hat Ihre Frau aufgehört Ihre Socken zu waschen und wann hat Ihr Mann aufgehört auch für Sie einzukaufen? Isst jeder für sich? Hat jeder "sein" Zimmer? Wenn Sie diese Fragen bejahen, ist eine Trennung wahrscheinlich.

Wenn Sie es jedoch nicht übers Herz bringen für Ihren Mann nicht mehr zu kochen, weil er sonst vor dem vollen Kühlschrank verhungert, liegt eher keine Trennung vor: "Nicht nur gemeinsames Kochen und Waschen, auch nur gemeinsames Schlafen und Essen in einer der Wohnungen lassen eine Beendigung der häuslichen Gemeinschaft zweifelhaft erscheinen."

Scheitern

Das Scheitern der Ehe legt § 1566 BGB fest:

§ 1566 BGB Vermutung für das Scheitern
(1) Es wird unwiderlegbar vermutet, dass die Ehe gescheitert ist, wenn die Ehegatten seit einem Jahr getrennt leben und beide Ehegatten die Scheidung beantragen oder der Antragsgegner der Scheidung zustimmt.
(2) Es wird unwiderlegbar vermutet, dass die Ehe gescheitert ist, wenn die Ehegatten seit drei Jahren getrennt leben.

Wenn Sie ab der Trennung mehr als ein Jahr getrennt leben (geht auch in der Wohnung - siehe Trennung), muss Ihr Ehegatte der Scheidung noch zustimmen. Nach drei Jahren Trennung wird ein Scheitern unwiderlegbar vermutet (ist ein Widerspruch in sich, ist aber juristisch richtig), d.h. hier muss der Ehegatte nicht mehr zustimmen, sondern es kann geschieden werden.

Scheitern der Ehe = Scheidung

Dann kommt die Quintessenz: Wenn eine Ehe gescheitert ist, kann sie geschieden werden:

§ 1565 BGB Scheitern der Ehe
(1) Eine Ehe kann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Die Ehe ist gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wiederherstellen.
(2) Leben die Ehegatten noch nicht ein Jahr getrennt, so kann die Ehe nur geschieden werden, wenn die Fortsetzung der Ehe für den Antragsteller aus Gründen, die in der Person des anderen Ehegatten liegen, eine unzumutbare Härte darstellen würde.

Scheidungsverhandlung

Wenn Sie hier angelangt sind, gibt es eigentlich keinen Grund mehr zu streiten - die Scheidung an sich wird eine Formalität. Dennoch müssen Sie auch hier auf die Fragen, die Ihnen in dieser mündlichen Verhandlung gestellt werden, antworten.

Das Vorgenannte ist die Prüfungsreihenfolge, die von den Familienrichtern abgeprüft wird. Dazu werden Sie in der Scheidungsverhandlung meistens drei Sachen gefragt:

Wenn Sie darauf : 21.03.2012 (oder so), "nein" und "ja" antworten, können Sie geschieden werden.