Was kostet ein Erbschein?

Auch Rechtsanwälte stehen immer wieder vor der Frage ihrer Mandanten: Was kostet denn die Beantragung eines Erbscheines?

Erst einmal grundsätzlich - einen Erbscheinsantrag kann man bei jedem deutschen Notar oder Nachlassgericht stellen. Anwendbar für die Kosten ist hier das Gesetz über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare (Gerichts- und Notarkostengesetz - oder GNotKG). Dieses Gesetz ist relativ neu, denn mit Wirkung zum 1.8.2013 hat es die seit 1957 geltende Kostenordnung abgelöst. Im GNotKG gibt es ein Kostenverzeichnis (Anlage 1), in dem die Gebührentatbestände aufgelistet sind.

Wenn man einen Erbschein beantragen will, muss man nach § 2356 BGB eine eidesstattliche Versicherung abgeben “und in Ansehung der übrigen ... erforderlichen Angaben hat der Antragsteller vor Gericht oder vor einem Notar an Eides statt zu versichern, dass ihm nichts bekannt sei, was der Richtigkeit seiner Angaben entgegensteht. “

Das ist wichtig zu wissen, bevor man anfängt in der Anlage 1 des GNotKG nach den richtigen Gebührentatbeständen zu suchen.

Ich löse die Frage gleich mal auf: Die richtige Ziffer ist 23300. Sie ist zu finden unter Anlage 1, Abschnitt 3: Eid, eidesstattliche Versicherung, Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen und löst eine 1,0 oder 10/10 Gebühr aus. Dieser Faktor wird mit dem reinen Nachlasswert multipliziert.

Ein Beispiel: Bei einem Nachlasswert von 200.000 € erhält das Nachlassgericht für die Aufnahme eines Erbscheinsantrages (genauer für die Versicherung an Eides statt) eine 1,0-Gebühr in Höhe von 435,00 €. Hierzu muss man als Antragsteller einen so genannten Wertermittlungsbogen ausfüllen, indem man anzugeben (aber meistens nicht zu belegen) hat, welche Werte am Todestag des Verstorbenen vorhanden waren.

Hier ist ein Link zur Seite der Bundesnotarkammer, auf der man sich einen wirklich sehr praktischen kleinen Gebührenrechner für Gerichts- und Notargebühren herunterladen kann.