Ist Vermögen für den Unterhalt eines Volljährigen einzusetzen?

Ja.

Sobald ein volljähriges Kind - oder eines seiner Elternteile - überlegt, den anderen Elternteil auf Kindesunterhalt für ein volljähriges Kind zu verklagen, muss es überlegen, ob das Kind Vermögen hat. Damit ist ein Haus gemeint oder Sparguthaben in etwas höherer Höhe.

Ein Volljähriger hat grundsätzlich den Stamm seines Vermögens anzugreifen (Umkehrschluss aus § 1602 Abs. 2 BGB).

Es kommt dabei auch nicht auf die Herkunft des Vermögens an. "Der Volljährige ist gehalten, es einzusetzen, auch wenn er es im Wege der freiwilligen Zuwendung eines Dritten erlangt hat, solange es ihm zweckfrei überlassen wurde. Inwieweit das Vermögen einzusetzen ist, ist auf Grund einer umfassenden Zumutbarkeitsabwägung zu entscheiden, die alle bedeutsamen Umstände, auch die Lage des Unterhaltspflichtigen, berücksichtigt.
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Dem Unterhaltsberechtigten ist insbesondere ein sog. Notgroschen für Fälle plötzlich auftretenden (Sonder-)Bedarfs zu belassen, bei dessen Bemessung Vorschriften des Sozialhilferechts herangezogen werden können (OLG Schleswig Urt. v. 15.7.1999 – 13 UF 146/98). Der Vermögensfreibetrag von Leistungsbeziehern von Hartz IV und Grundsicherung für Rentner war letztes Jahr auf 5.000 Euro gestiegen. Das wäre ein solcher "Notgroschen".

Sogar beleihungsfähiger Grundbesitz kann unter Umständen für eine Kreditaufnahme einzusetzen sein, mit deren Hilfe der Volljährige seinen Ausbildungsunterhalt abdecken kann.

Aber, wenn das Vermögen aufgebraucht ist (nachweislich - und es darf nicht verplempert werden), dann sind wieder beide Eltern unterhaltspflichtig.