Praxisbericht: Bundesweit erstes E- Examen in Sachsen- Anhalt im April 2019

von Rechtsreferendarin Julia Harms
Vom 01.04. bis zum 12.04.2019 fanden in Sachsen-Anhalt die schriftlichen Staatsexamensprüfungen der Rechtsreferendare des Einstellungsjahrgangs September 2017 statt. Die Besonderheit: Zum allerersten Mal durften Rechtsreferendare in Deutschland ihr zweites Staatsexamen am Laptop schreiben. Damit ist Sachsen-Anhalt das erste Bundesland, dass das E-Examen eingeführt hat. Damit zeichnet sich das Landesjustizprüfungsamt von Sachsen-Anhalt durch seinen besonderen Fortschritt gegenüber allen anderen Bundesländern aus und passt sich der fortschreitenden Digitalisierung an.

Dabei wurde jedem Referendar die Wahl gelassen zu entscheiden, ob er das Examen per Hand oder am Laptop schreiben möchte. Genutzt haben 42 von 45 Referendaren die Chance, ihre Prüfung am Computer schreiben zu können. Bereits im Vorfeld konnten die Referendare insgesamt drei Übungs- und Pflichtklausuren am Laptop schreiben, um sich mit dem digitalen Examen auseinanderzusetzen und dem Landesjustizprüfungsamt die Möglichkeit zu geben, den Ablauf einer Examensprüfung unter ähnlichen Bedingungen durchzuspielen.

Umgesetzt wurde das E-Examen durch eine Zusammenarbeit mit der Martin- Luther- Universität Halle- Wittenberg, die neben ihren Räumlichkeiten auch die Laptops zur Verfügung gestellt hat.

Jedem Referendar wurde ein Laptop zur Verfügung gestellt, Trennwände zwischen den Prüflingen verhinderten den Blick auf den Laptop des Sitznachbarn; Bildschirmfolien den Blick auf den Schirm des Vordermannes. Im Übrigen war das Examen wie gewohnt: Der Sachverhalt wurde in Papierform ausgeteilt, die Referendare hatten alle ihre Gesetze und Kommentare in Buchform und bekamen für Notizen Konzeptpapier. Nach Abschluss der Klausur wurde eine PDF von der Lösung erstellt. Das Examen wird ausgedruckt und handschriftlich korrigiert.

Kam es im Rahmen der ersten Übungsklausuren zu gelegentlichen Ausfällen und kleinen Problemen mit den Laptops, liefen die Staatsexamensprüfungen im April in dieser Hinsicht doch reibungslos ab. Den Referendaren stand auch jederzeit ein Team von Informatikern zur Seite, sollte es doch mal kleinere Probleme geben, die alle schnellstens behoben wurden.

Das Examen am Laptop bietet den Referendaren einige Vorteile. Stellt man fest, dass etwas vergessen wurde, konnte dies ganz einfach ohne lästige Sternchen ergänzt werden. Das dient der Übersichtlichkeit und verhindert die im schlimmsten Fall komplette Neuanfertigung. Daneben ist das digitale Examen wesentlich praxisnäher als das Examen per Hand. Denn schon während der Ausbildung finden doch die Tätigkeiten der Referendare fast ausschließlich am Computer statt. Daneben belastet das Tippen am Computer das Handgelenk und die Finger auch wesentlich weniger, sodass auch acht Klausuren schmerzfrei runter geschrieben werden können. Allerdings war die Funktion der Rechtschreibprüfung ausgeschaltet, denn "fehlerfreies Deutsch gehört zur Prüfungsaufgabe."

Und auch für die Korrektoren hat die digitale Klausur einen entscheidenden Vorteil: Sie lässt sich viel einfacher lesen. Keine unordentliche Handschrift mehr, die das Entziffern erschwert. Stattdessen ein klares Schriftbild.

Als Referendarin dieser Kanzlei, die sich für das Staatsexamen am Laptop entschieden hat, habe ich die Atmosphäre während der Prüfungen als sehr angenehm und nahezu entspannt empfunden. Ob dies vor allem auf die Laptops und das leise Klackern der Tasten zurückzuführen ist oder ob es an der Gemeinschaft lag, zu der man zusammengewachsen ist, lässt sich jedoch nicht beantworten.

Klar gesagt werden kann jedoch, dass es wesentlich schmerzfreier war, die Wahlmöglichkeit sehr positiv ist und vor allem das unproblematische Ergänzen während der Klausur eine erhebliche Erleichterung dargestellt hat. Es lässt sich mithin letzten Endes ein durchweg positives Fazit von dem ersten E-Examen bundesweit in Sachsen-Anhalt ziehen.