Der Ablauf eines Sorgerechts - und Umgangsverfahrens vor dem Familiengericht

Für Menschen, die noch nie an einer Gerichtsverhandlung teilgenommen haben, ist es besonders schwierig, die Nacht davor ruhig zu schlafen. Um Ihnen also ein paar Unsicherheiten zu nehmen, möchte ich Ihnen aus meiner Sicht den Ablauf eines Sorgerechts- und/oder Umgangsverfahrens vor Gericht schildern.

Gewöhnlich treffe ich mich mit meinen Mandanten ca. 20 min vor dem Termin, damit man sich noch ein wenig austauschen kann und auch gemeinsam vor dem Gerichtssaal erscheint. Häufig trifft man vor dem Gerichtssaal auf den anderen Elternteil, vielleicht seinen Anwalt, das Jugendamt und (in Umgangssachen manchmal - in Sorgerechtssachen immer) den Verfahrensbeistand.

Dann ruft das Gericht den Fall auf und alle betreten den Saal. Bis hierhin ist man aufgeregt, aber nun müssen Sie sich so konzentrieren, dass Sie für Aufregung keine Zeit mehr haben.

Jede Partei setzt sich auf eine Seite und Verfahrensbeistand und Jugendamt nehmen meist im "Zuschauerbereich" Platz.

Dann beginnt die Verhandlung und der Richter oder die Richterin diktiert in sein Diktiergerät wer alles da ist.

Zuerst wird die Partei (also der Antragsteller) gefragt, warum er denn seinen Antrag hat stellen lassen. Hier darf man sich dazu äußern, obwohl der Richter alles schon schriftlich hat. Dieses Äußern ist die Chance die Sache - also worüber man sich so aufregt - persönlich zu sagen. Tränen sind kein Problem, aber sehr ungern wird gesehen, wenn man den anderen Elternteil beschimpft oder schlecht macht.

Dann ist die andere Partei dran und kann ihre Sicht der Dinge schildern. Gut ist es, wenn man abwarten kann, bis der andere ausgeredet hat und dann erst dazu Stellung nimmt.

Manchmal ist es auch so, dass Jugendamt und Verfahrensbeistand zwischendurch gefragt werden. Da normalerweise das Jugendamt die allererste Anlaufstelle bei Streit zwischen Eltern ist, erzählt das Jugendamt dem Gericht, was es alles über diese Familie weiß. Das sollte man nicht als Verrat werten, denn das Jugendamt und seine Mitarbeiter sind dazu gesetzlich verpflichtet.
Dann berichtet der Verfahrensbeistand, der sich im Vorfeld mit jedem Elternteil besprochen hat, was er erlebt und aufgefangen hat. Wenn alles gut läuft, macht der Verfahrensbeistand auch noch einen Vorschlag auf welche Weise man sich im Umgang oder dem Sorgerechtsverfahren einigen kann.

Sollten die Fronten stärker verhärtet sein, unterbreitet niemand einen Vorschlag. Dann muss das Gericht entscheiden, kann es den Fall so zu Ende bringen oder muss ein psychologisches Gutachten eingeholt werden. Das wird aber noch in der Verhandlung mit allen Beteiligten besprochen.

Ein Allheilmittel im Familienrecht sind übrigens die allseits beliebten Elterngespräche. Das zu dem man freiwillig nie zustimmen würde - sich mit dem anderen ruhig und friedlich unter einer Moderation - zu unterhalten, wird hier verlangt. Tatsächlich bringen diese Gespräche auch Erfolge, die Sichtweisen der Beteiligten ändern sich manchmal. Also rechnen Sie damit, dass Sie hierzu Ihre Zustimmung geben müssen.

So ein Verfahren dauert meist eine halbe bis eine ganze Stunde.