Rückholung eines Testamentes aus der Hinterlegung (amtlichen Verwahrung)

Wenn man bei seinem Amtsgericht sein Testament hinterlegt hat, kann es passieren, dass man dieses Testament gern wieder haben möchte, weil sich familiär etwas geändert hat (Trennung, Scheidung, Tod des Ehegatten).

Um also das eigene Testament aus der Hinterlegung heraus zu bekommen, muss man persönlich bei dem Amtsgericht, wo es hinterlegt ist, vorstellig werden; bei gemeinschaftlichen Testamenten müssen auch beide Ehegatten persönlich anwesend sein. Es handelt sich hierbei um einen hoheitsvollen Akt, genau wie die Hinterlegung selbst, für die man einen richtigen Antrag stellen muss.

Wenn man sein Testament abholen möchte, sollte man im Vorfeld den Hinterlegungsschein suchen und zum Gericht mitbringen, damit das Gericht anhand des Aktenzeichens den richtigen Umschlag findet. Man muss sich das so vorstellen, dass das handschriftliche Testament, als es beim Gericht ankam, mit einem Aktenzeichen versehen wurde und dann in einen großen Briefumschlag gesteckt wurde, auf dem das Aktenzeichen und der Name vermerkt ist.

Es findet ein persönlicher Termin beim Rechtspfleger statt, in welchem man sich zuerst ausweisen muss. Dann stellt der Rechtspfleger entweder ein paar Fragen oder verwickelt einen in ein Gespräch, um zu prüfen, ob man noch geschäftsfähig genug ist, um das Testament aus freien Stücken aus der Hinterlegung zu holen oder ob man dazu gezwungen wurde oder gar nicht mehr weiß was man tut. Dann wird man belehrt, was es zu Folge hat, wenn man das Testament heute aus der amtlichen Verwahrung zurückholt.

Wenn der Rechtspfleger entschieden hat, man kann das Testament wieder haben, wird unterschieden, ob es sich um ein handschriftliches Testament oder ein notarielles Testament handelt:

Handschriftliches Testament

Bei einem handschriftlichen Testament öffnet dann nach der vorangegangenen Prüfung der Rechtspfleger den Hinterlegungsumschlag und übergibt einem sein Testament. Da dieses Testament nach wie vor seine Gültigkeit hat, sollte man es jetzt zerreißen oder fragen, ob es irgendwo gleich im Gericht geschreddert werden kann.

Denn solange des Testament existiert, ist es gültig und wenn man kein anderes hat und auf dem Heimweg einen Unfall hat, hat man damit seinen letzten Willen gleich bei sich.

Notarielles Testament

Da es sich bei einem notariellen Testament um eine öffentliche Urkunde handelt, muss diese ungültig gemacht werden, denn sie könnte einen Erbschein ersetzen.

Daher stempelt der Rechtspfleger gut sichtbar auf das hinterlegte notarielle Testament folgendes auf:"Dieses Testament gilt durch die heutige Rückgabe aus der amtlichen Verwahrung als widerrufen. ... Rechtspfleger XY" Dieser Stempel fasst den § 2256 BGB zusammen, in dem steht: § 2256 BGB Widerruf durch Rücknahme des Testaments aus der amtlichen Verwahrung

(1) 1Ein vor einem Notar oder nach § 2249 errichtetes Testament gilt als widerrufen, wenn die in amtliche Verwahrung genommene Urkunde dem Erblasser zurückgegeben wird. 2Die zurückgebende Stelle soll den Erblasser über die in Satz 1 vorgesehene Folge der Rückgabe belehren, dies auf der Urkunde vermerken und aktenkundig machen, dass beides geschehen ist.

(2) 1Der Erblasser kann die Rückgabe jederzeit verlangen. 2Das Testament darf nur an den Erblasser persönlich zurückgegeben werden.

(3) Die Vorschriften des Absatzes 2 gelten auch für ein nach § 2248 hinterlegtes Testament; die Rückgabe ist auf die Wirksamkeit des Testaments ohne Einfluss.