Zugewinn

Normalerweise ist es ausreichend, wenn in einem Ehescheidungsverfahren die Scheidung und der Versorgungsausgleich durchgeführt werden. Diese beiden - nennen wir es - Formalitäten werden vom Familiengericht von Amts wegen geregelt.

Dann gibt es noch Ehepaare, die viel Vermögen vor und innerhalb der Ehe erworben haben und einen Zugewinnausgleich durchführen möchten.

Die Zugewinngemeinschaft ist der gesetzliche Güterstand in Deutschland.

Durch einen Ehevertrag vor und nach der Eheschließung kann man die Gütergemeinschaft, die Gütertrennung und auch eine modifizierte Zugewinngemeinschaft vereinbaren.

Der "normale" Zugewinn ist in § 1373 BGB geregelt: "Zugewinn ist der Betrag, um den das Endvermögen eines Ehegatten das Anfangsvermögen übersteigt."

Das bedeutet in der Praxis einen Vermögensmassenvergleich zu ganz genauen Stichtagen - nämlich dem Tag der Heirat und dem Tag der Zustellung des Scheidungsantrages. Ich stelle mir das immer so vor, als wenn jemand an diesen zwei Tagen mit zwei Taschenlampen in die Nacht leuchtet. Was in diesen zwei Lichtstrahlen zu sehen ist, fällt in den Zugewinnausgleich.

Beispiel

Nehmen wir ein Beispiel: Ehemann und Ehefrau heiraten.

Anfangsvermögen

Am Anfang hatten beide nichts außer ihrer studentischen Habe. Also ist das Anfangsvermögen gleich Null.

Endvermögen

Im Laufe der Ehe baut der Ehemann sich sein Traumhaus mit einem Wert von 100.000,00 Euro und die Ehefrau gründet einen sehr erfolgreichen Lieferservice - mit einem Wert von ebenfalls 100.000,00 Euro.

Berechnung des Zugewinns für jeden einzeln

Dann geht die Berechnung für jeden einzeln so:
Ehemann: Endvermögen (Haus für 100T€) minus Anfangsvermögen (ein altes Fahrrad = 0,00 €) = Zugewinn Ehemann 100.000,00 €

Ehefrau: Endvermögen (Firma für 100T€) minus Anfangsvermögen (ein paar zerflederte Studierbücher = 0,00 €) = Zugewinn Ehefrau 100.000,00 €.

Berechnung des Zugewinnausgleichs

Nun berechnet man den Zugewinnausgleich:
Zugewinn Ehemann von 100.000,00 € minus Zugewinn Ehefrau von 100.000,00 € = 0,00 €. D.h. keiner von beiden müsste hier einen Zugewinnausgleich leisten.

Da im wahren Leben jedoch die Zahlen meist nicht so eindeutig sind, kann ich Ihnen als Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht hilfreich zur Seite stehen.