Wie fordere ich meinen Pflichtteil ein? Kostenloses Muster

Häufig liest man Fragen wie: Wie fordere ich meinen Pflichtteil ein? Oder wie fordere ich schriftlich zu meinen Pflichtteil auf, wie mache ich meinen Pflichtteil geltend? Dazu muss man eines wissen: Am Anfang steht die Auskunft.

Beim Geltendmachen des Pflichtteil müssen Sie drei Sachen beachten:

1. Inhalt des Aufforderungsschreibens

Hier ist das kostenlose Muster für die Aufforderung zur Auskunft - das Kursivgedruckte muss in den Brief. Das andere ist die Erklärung dazu.

Sehr geehrte Frau Mustermann (die Erbin),

Falls Sie zum Beispiel ein uneheliches Kind sind und eigentlich niemand etwas von Ihnen weiß, sollten Sie sich vorstellen und Ihre Geburtsurkunde/Abstammungsurkunde mitschicken. Daran wird meist zuerst gezweifelt. Falls man Sie kennt, schreiben Sie einfach:

wie Ihnen sicherlich bekannt ist, bin ich die leibliche Tochter Ihres verstorbenen Mannes Manfred Mustermann.

Aufgrund des Testamentes, welches ich vom Amtsgericht Halle zugeschickt bekam, bin ich enterbt worden. Vor diesem Hintergrund steht mir gemäß § 2303 BGB ein Pflichtteilsanspruch zu.

Damit ich meinen Pflichtteilsanspruch durchsetzen kann, gewährt mir das Gesetz in § 2314 BGB einen Auskunftsanspruch gegenüber dem Erben, also Ihnen. Ich darf Sie daher bitten, über den Bestand des Nachlasses des Erblassers

Auskunft

zu erteilen und mir ein Bestandsverzeichnis vorzulegen, das insbesondere die folgenden Angaben - bezogen auf den Todestag des Erblassers umfasst:

Zu den Aktiva gehört eigentlich alles, vom Schlüpfer bis zum Porsche, was dem Verstorbenen gehört hat, meist sind aber nur die Wertgegenstände interessant. Die Passiva umfassen alle Schulden, die am Todestag vorhanden waren oder mit dem Tod des Erblassers zusammenhängen. Klassisch sind die Beerdigungskosten und letzte Arztrechnungen. Nicht darunter fällt z.B. die Gebühr für die Eröffnung des Testamentes 100,00 Euro.

Hintergrund hierfür ist die sogenannte Pflichtteilsergänzung, § 2325 BGB. Was sich nicht mehr im Nachlass befindet, weil es in den letzten 10 Jahren vor dem Tod verschenkt wurde, kann man darüber zur Berechnung heranziehen. Im übrigen fängt bei einer Schenkung an den anderen Ehegatten die 10 Jahresfrist erst mit dem Tod des Erblassers an, so dass praktisch alle Schenkungen an den Ehegatten bei der Pflichtteilsberechnung einzubeziehen sind, auch wenn sie teilweise 30 Jahre zurückliegen, § 2325 Absatz 3 BGB.

Hier wird versucht, Begünstigungen, die sozusagen am Erbe vorbeigeschleust werden (Lebensversicherungen fallen nicht in den Nachlass) mit in die Pflichtteilsberechnung einzubeziehen. "Verschenkte" Lebensversicherungen sind mit ihrem Rückkaufswert in die Berechnung einzubeziehen.

Eine Gesellschaftsbeteiligung wird gern vergessen, wenn der Verstorbene nicht gerade Alleininhaber einer GmbH gewesen ist. Diese Anteile müssen meist erst bewertet werden; meist ein sehr aufwändiges Verfahren. Hierbei ist aber nicht zu vergessen, dass der Verstorbene auch Anteile an einer Wohnungsgenossenschaft gehabt haben kann.

Der Güterstand ist wichtig, um die Höhe des Pflichtteiles berechnen zu können. Gemäß § 2303 BGB beträgt die Höhe des Pflichtteils die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Bei Ehegatten ist das so, wenn einer verstirbt, würde der andere Ehegatte eigentlich nur zu 1/4 aus Erbrecht erben. Das andere 1/4 ergibt sich aus einem pauschalen Zugewinnausgleich aus dem Familienrecht. Wenn also der Verstorbene und seine Frau eine Gütertrennung vereinbart hätten, würde der Pflichtteil höher ausfallen.

Ich darf Sie bitten, mir das vorstehende näher spezifizierte Bestandsverzeichnis umgehend, spätestens aber bis zum
25.06.2013
zuzuleiten.

Grundsätzlich wäre ich berechtigt, bei der Erstellung des Nachlassverzeichnisses hinzugezogen zu werden. Hiervon werde ich zunächst keinen Gebrauch machen, behalte mir aber vor, zu einem späteren Zeitpunkt ein notarielles Nachlassverzeichnis zu verlangen.
Mit freundlichen Grüßen

Elvira Pflichtteilsrecht

2. Erhalt des Auskunftsschreibens

Damit der Erbe die gewünschte Auskunft auch erteilt, muss er das Aufforderungsschreiben auch erhalten. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.
Eine davon ist ein Einschreibebrief. Bevor Sie das Schreiben in den Briefumschlag stecken, können Sie alles photographieren.
Das Einschreiben selbst sollte ein Einwurfeinschreiben sein, die teurere Variante mit Rückschein ist nicht notwendig. Es reicht, wenn der Brief im Briefkasten des Erben landet - dann ist der sogenannte Zugang bewirkt.

3. Verjährung des Pflichtteils

Auch Pflichtteilsansprüche können verjähren, wenn man sich zu viel Zeit gelassen hat und davon gewusst hat, kann es zu spät sein. Aber wann ist das der Fall?
In dem Jahr, in dem Sie von dem Todesfall Kenntnis erhalten, fängt die dreijährige Verjährungsfrist an zu laufen. Hier ein Beispiel.

Dabei kommt es aber auf die Kenntnis an. Wenn Sie also erst 5 Jahre später vom Tod erfahren, fangen Ihre persönlichen drei Jahre Verjährung erst dann an.