Wie wird die Auskunft beim Pflichtteil erteilt - ein kostenloses Muster

Passend zu meinem letzten Artikel - Wie fordere ich meinen Pflichtteil ein? erkläre ich Ihnen in diesem Artikel, wie die Auskunft für den Pflichtteilsberechtigten erteilt wird und erstelle Ihnen ein kostenloses Muster, was sich an den von mir erteilten Auskünften orientiert.

Die rechtliche Grundlage für die Auskunftspflicht des Erben ist § 2314 BGB, in welchem steht: (1) Ist der Pflichtteilsberechtigte nicht Erbe, so hat ihm der Erbe auf Verlangen über den Bestand des Nachlasses Auskunft zu erteilen. Der Pflichtteilsberechtigte kann verlangen, dass er bei der Aufnahme des ihm nach § 260 vorzulegenden Verzeichnisses der Nachlassgegenstände zugezogen und dass der Wert der Nachlassgegenstände ermittelt wird.

Zunächst muss man auf die gestellten Fragen aus der Aufforderung antworten: Man fängt am besten damit an, eine Kopie des Testamentes zu übersenden. Keine Angst, das erhält der Pflichtteilsberechtigte sowieso, da es ihm vom Nachlassgericht bei der Eröffnung des Testamentes zugeschickt wird (nun ja - werden sollte.).

Sehr geehrter Herr Pflichtteilsberechtigter,

hiermit erteile ich Ihnen Auskunft:

Der Verstorbene hatte ein Testament hinterlassen, welches ich Ihnen in Kopie zuleite. Das Original des Testamentes habe ich an das Nachlassgericht übersandt, damit es eröffnet werden kann. Sie werden in naher Zukunft ebenfalls von dort eine Kopie des eröffneten Testamentes erhalten.

Weiter übersende ich Ihnen in einer systematischen Aufstellung alle beim Erbfall vorhandenen Aktiva sowie alle beim Erbfall vorhandenen Passiva samt Belegen übersandt, soweit es welche dazu gibt.

Hier muss eine Aufstellung möglichst in Form einer Liste von allen Wertgegenständen und Kontoguthaben erfolgen. Vergessen werden häufig die Uhr und der Ehering des Verstorbenen, falls er verheiratet war.

Belege sollte man mitschicken, gerade wenn es sich um Kontoguthaben handelt. Die Rechtsprechung ist hier (leider) etwas undeutlich und sagt - es müssen Belege übersandt werden, wenn dies erwartet werden kann. Bei einem Konto kann ich den Kontostand zum Todestag - belegt mit einem Kontoauszug – erwarten. Bei Sachen wie dem Ehering oder dem Fernseher genügt meines Erachtens ein Foto als Beleg.

Im Aktivbestand des Vermögens des Erblassers befand sich ein Grundstück und zwar auf der AmselheideYX in Sonstwo.

Hier ist es ratsam gleich anzubieten, ein Gutachten einzuholen oder sich so zu einigen.

Gleichzeitig muss man wissen, dass sich dieser Wertermittlungsanspruch auch auf alle anderen beweglichen Gegenstände, die Teil des Nachlasses waren, bezieht. D.h. wenn im Nachlass ein Ehering war oder ein gebrauchtes Auto, wäre der Erbe nach dem Gesetz verpflichtet, über alle diese Gegenstände ein Gutachten einzuholen.

Der Verstorbene tätigte auch keinerlei lebzeitige Zuwendungen, die in den Anwendungsbereich des § 2325 BGB fallen könnten. Der Erblasser besaß auch keine Lebensversicherungen und sonstigen Verträge zugunsten Dritter, er war auch nicht an einer Gesellschaft beteiligt.

Bei der Benennung der Schenkungen ist der 10-Jahreszeitraum zu beachten. Lebensversicherungen oder andere Verträge zugunsten Dritter (die nicht in die Erbmasse fallen (!)) sind mit dem Rückkaufswert in das Nachlassverzeichnis einzubeziehen.

Sehr wichtig zu wissen ist, dass Schenkungen an den Ehegatten nicht zum Anlaufen der 10-Jahresfrist des § 2325 BGB (Pflichtteilsergänzungsansprüche) führen.

Der Verstorbene war im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet gewesen, was zu einem Pflichtteilsanspruch von jeweils 1/12 für Sie am Wert des Nachlasses führt.

Wenn man die Liste mit den Aktiva minus Passiva plus Schenkungen ausgerechnet hat, darf man auch die Höhe des Pflichtteiles berechnen.
Der Pflichtteil berechnet sich nach § 2303 BGB: Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Zuvor muss man berechnen, wie hoch der gesetzliche Erbteil des Pflichtteilsberechtigten gewesen wäre. Davon nimmt man die Hälfte.

Wenn Sie diesem Muster folgen, haben Sie schon alles nötige getan – nun müssen Sie den errechneten Pflichtteil schnellstmöglich zahlen, denn der Pflichtteilsanspruch entsteht mit dem Todesfall.