Eltern lasst Euch Zeit mit der Übertragung Eures Hauses ...

... so oder so ähnlich würde meine Empfehlung lauten.

Hintergrund ist folgender: Gerade diese Woche wurde dieser - auch in meinen Ohren - hochtragische Fall an mich herangetragen.

Die Mutter (schon über 70) und ihr zweiter Ehemann hatten beide gemeinsam, die Tochter aus der ersten Ehe der Mutter betreut; waren mit dieser durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Diese unverheiratete Tochter - auch schon über 40 - erlag ihrem Krebsleiden, ohne selbst Kinder oder ein Testament zu hinterlassen.

In so einem Fall tritt die gesetzliche Erbfolge nach § 1925 BGB ein. Darin heißt es ab dem Absatz 2:

(2) Leben zur Zeit des Erbfalls die Eltern, so erben sie allein und zu gleichen Teilen.

(3) 1Lebt zur Zeit des Erbfalls der Vater oder die Mutter nicht mehr, so treten an die Stelle des Verstorbenen dessen Abkömmlinge nach den für die Beerbung in der ersten Ordnung geltenden Vorschriften. 2Sind Abkömmlinge nicht vorhanden, so erbt der überlebende Teil allein.

In diesem Fall war es so, dass der erste - geschiedene - Ehemann der Mutter noch Erzeuger von vielen weiteren Kindern war. Der erste Ehemann war verstorben. Damit erben neben der Mutter der Tochter die weiteren Kinder des ersten Ehemannes (die Halbgeschwister der Tochter). Schon dieser Fakt ist sehr nervenaufreibend, man muss nämlich alle diese Kinder ausfindig machen und ihre Adressen in Erfahrung bringen, um in einem Erbscheinsverfahren diese Daten parat zu haben.

Doch damit nicht genug. Die Mutter und der Stiefvater hatten der Tochter bereits das eigene Familienheim übertragen, damit dies nicht aufgrund eines Todesfalles geschieht.

Das wirklich tragische daran ist nun, dass dieses ehemalige elterliche Familienheim einer Erbengemeinschaft in die Hände fällt, die aus der Mutter und den anderen Halbgeschwistern der verstorbenen Tochter besteht. Doch damit immer noch nicht genug. Damit diese Halbgeschwister dazu gebracht werden, ihre Hälfte des Hauses auf die Mutter (zurück)zu übertragen wird aller Voraussicht nach ein Gutachten für dieses Haus eingeholt werden müssen, damit man es den Halbgeschwistern (die im übrigen nichts für alles können) wieder abkaufen kann. Im schlimmsten Falle wären die Halbgeschwister in der Position das Familienheim im Wege der Teilungsversteigerung zu veräußern.

Daher mein Rat an Sie liebe Eltern: Übertragen Sie die Familienimmobilie, in der Sie leben, so spät wie möglich oder erst mit Ihrem Tod, damit genau so etwas nicht passieren kann.