Erbschleicherei - geht das in Deutschland?

Erbschleicherei - Immer öfter erscheint ein Artikel oder ein Bericht über dieses Thema in den Medien. Was mich daran nur wundert ist - dieses Thema gibt es doch schon seit Jahrtausenden. Was ist daran neu?

Hier meine (ausschließlich) persönliche Meinung als Erbrechtler zu diesem Thema und wie man meiner Meinung nach entsprechend vorbeugen kann.

Als allererstes sollte man sich einen einzigen Satz vergegenwärtigen: Nichts ist umsonst auf dieser Welt.

Das bedeutet so viel wie - wenn man sich aufrichtig und soweit es möglich ist, um seine alten Eltern kümmert, dann "erhält" man auch das Erbe. Gemeint ist damit das direkte Verantwortung tragen – entweder selbst einkaufen gehen oder sich selbst darum kümmern, dass jemand anderes das Einkaufen übernimmt. Natürlich macht das Mühe – die Alternative dazu wäre aber Erbschleicherei.

In den Erbschleicher-Fällen lagern meistens die Verwandten die Pflege und damit quasi einhergehend, die Verantwortung für das Elternteil auf eine fremde Dritte Person aus. Dass dieser fremde Dritte sich nicht (nur) aus hehren Motiven um einen alten – vielleicht ihm unbekannten – vielleicht auch anstrengenden Menschen kümmert, dürfte klar sein. Die fremde dritte Person möchte damit Geld verdienen, deshalb macht sie diesen Job ja.

Und - machen wir uns nichts vor - es gibt eben auch viele schwarze Schafe, die nicht aus reinem Enthusiasmus tätig sind, sondern sich besonderer Situation bewusst werden und geschäftstüchtig zuschlagen. Sie denken vielleicht: Es wird schon einen Grund gegeben haben, warum man selbst die Pflege auslagert hat.

Außerdem (und das sind so meine Erfahrungswerte) ist es häufig so, dass die ältere Generation demjenigen, der sich um sie kümmert, am allerliebsten Zuwendungen macht – ob es nun ein Verwandter ist oder nicht.
Es gibt den § 14 Heimgesetz ((1) Dem Träger ist es untersagt, sich von oder zugunsten von Bewohnerinnen und Bewohnern oder den Bewerberinnen und Bewerbern um einen Heimplatz Geld- oder geldwerte Leistungen über das nach § 5 vereinbarte Entgelt hinaus versprechen oder gewähren zu lassen.) nicht umsonst.

Der Rest ist ganz einfach. Wenn der Senior nicht gerade unter Betreuung steht, weil er geschäftsunfähig ist, kann man mit einer aktuelleren Vorsorgevollmacht die ältere außer Kraft setzen. Als eine (Vorsorge-)Vollmacht gilt auch schon eine handschriftliche Bevollmächtigung, man muss nicht unbedingt zum Notar.

Wenn dies erledigt ist, kann man auch noch ein Testament erlangen – auch dies ist ziemlich einfach. In Deutschland gilt die Testierfreiheit, das heißt, jeder kann denjenigen zum Erben einsetzen, den er möchte und wenn es das örtliche Tierheim ist oder der Kleintierzüchter-Verein. Dem verwandten Hinterbliebenen verbleibt das Pflichtteilsrecht.

Ein Testament ist schnell geschrieben – natürlich handschriftlich – es muss den Aussteller und den der erben soll, erkennen lassen (§ 2247 BGB Eigenhändiges Testament). Dann genügen Datum und Unterschrift und fertig ist das Testament. So ein Testament muss nicht hinterlegt werden, der fremde Dritte kann es an sich nehmen und im Todesfall dem Nachlassgericht übersenden, was wohl seine Alleinerben-Einsetzung feststellen wird.

Das heißt im Ergebnis, wenn Sie nicht wollen, dass ein Erbschleicher "sich Ihr Erbe unter den Nagel reißt", dann kümmern Sie sich beizeiten um Ihre Angehörigen.