Feuerbestattung oder Erdbestattung?

Ein Mandant trug folgende Frage an mich heran: Was ist, wenn der Verstorbene in seinem Testament eine Erdbestattung angeordnet hat, ich ihm aber nur eine Feuerbestattung finanzieren will, obwohl genug Nachlass vorhanden wäre?

Die korrekte juristische Antwort in einem solchen Fall lautet: Es kommt drauf an.

Im vorliegenden Fall hatte der Erblasser in seinem Testament angeordnet, dass er eine (teurere) Erdbestattung will. Sein Erbe, der gemäß § 1968 BGB für die Kosten der Beerdigung aufkommen muss, will aber nur eine Feuerbestattung finanzieren. Kann der Erbe - ohne bestraft zu werden - von den Anordnungen des Verstorbenen abweichen?

Zunächst einmal muss man herausarbeiten, ob es sich um einen Wunsch oder eine Bestattungsauflage handelt. Ist die Thematik der Beerdigung vom Verstorbenen eher als Anregung oder Wunsch formuliert worden, dann ist es auch nur ein (frommer) Wunsch und der Erbe/Bestattungspflichtige/Totenfürsorgeberechtigte kann davon abweichen.

Nach meinem Dafürhalten handelte es sich im vorliegenden Fall um eine Bestattungsauflage. Die Auflage ist im Erbrecht in § 1940 BGB geregelt. Darin steht: "Der Erblasser kann durch Testament den Erben oder einen Vermächtnisnehmer zu einer Leistung verpflichten, ohne einem anderen ein Recht auf die Leistung zuzuwenden (Auflage)." Das heißt, der, der eine Auflage aufgedrückt bekommen hat (der Auflagenbegünstigte oder nur Begünstigte), muss diese erledigen, ohne eine Leistung dafür zu bekommen.

Die Vollziehung einer Auflage ist in § 2194 BGB geregelt: Die Vollziehung einer Auflage können der Erbe, der Miterbe und derjenige verlangen, welchem der Wegfall des mit der Auflage zunächst Beschwerten unmittelbar zustatten kommen würde. 2Liegt die Vollziehung im öffentlichen Interesse, so kann auch die zuständige Behörde die Vollziehung verlangen.

Daraus lässt sich lesen, dass dieser Paragraph bestimmte Personen ermächtigt – aber nicht den (Auflage-)Begünstigten selbst – die Vollziehung der Auflage zu verlangen.

Das heißt für unseren Fall: Wenn es niemanden gibt, der unbedingt möchte, dass der Verstorbene eine Erdbestattung erhält, dann bekommt er auch keine. Der einzige, der sich dann in seinen Wünschen und Forderungen mißachtet sehen könnte, ist der Verstorbene selbst. Wenn Sie keine Angst haben, einen bösen Geist heraufzubeschwören, dann weichen Sie von den Anordnungen ab, wenn Ihnen das lieber ist.

Das heißt für die Praxis: Lesen Sie ganz genau, was der Verstorbene geschrieben hat, was sich daraus herleiten lässt und ob Sie das mittragen können und wollen.